RÜCKBLICK
AUTOMOTIVE
LEADERSHIP
AUTOMOTIVE TRANSFORMATION
LEIPZIG
3-JUN-2026
Die dritte Etappe des
KEYPLAYER-LEADERSHIP FORUM 2026:
„Strategische Exzellenz
in Operations & Finance“
_Dritte Etappe 2026: Automotive Leadership Forum
Das Automotive Leadership Forum von KEYPLAYER und FTI-Andersch am 3. Juni 2026 im Porsche Experience Center Leipzig hat gezeigt: Die deutsche Automobilindustrie verfügt weiterhin über starke industrielle Substanz, technologische Kompetenz und relevante Marktpositionen. Gleichzeitig steigt der Handlungsdruck spürbar. Neue Wettbewerber aus China, veränderte Finanzierungsbedingungen, hohe Überkapazitäten, kürzere Produktzyklen und die wachsende Bedeutung digitaler Technologien verändern die Spielregeln der Branche.
Gemeinsam mit Gero Güllmeister und Daniel Enders von FTI-Andersch sowie Martin Tjan und Alexander Kujumdshiev von KEYPLAYER diskutierte eine starke Runde aus knapp 20 C-Level-Entscheidern zentrale Fragen zur Zukunft der Automotive-Industrie. Im Mittelpunkt standen die strukturellen Herausforderungen für OEMs und Zulieferer ebenso wie konkrete strategische Perspektiven für die kommenden Jahre.
Dabei wurde klar, dass es nicht an strategischen Erkenntnissen mangelt. Die zentralen Herausforderungen sind bekannt. Entscheidend ist nun, schneller in die Umsetzung zu kommen, Komplexität konsequent zu reduzieren, pragmatische Lösungen zu entwickeln und Innovation nicht nur als Anspruch, sondern als operative Fähigkeit zu verstehen.
Einblicke in unsere
Diskussionsrunde
Strukturelle Herausforderungen für die deutsche Automobil-
zulieferindustrie
// Marktumbruch durch neue Wettbewerber aus China
Die deutsche Automobilzulieferindustrie befindet sich in einer Phase tiefgreifender struktureller Veränderungen. Besonders deutlich wird dies durch den zunehmenden Wettbewerb chinesischer OEMs und Zulieferer. Hersteller wie Leapmotor treten mit Fahrzeugen in den europäischen Markt ein, die durch sehr attraktive Preise, eine umfangreiche Ausstattung und ein hohes Innovationstempo auffallen. Gerade in preissensibleren Regionen, etwa in Ostdeutschland, könnten solche Angebote auf eine hohe Nachfrage treffen.
Chinesische Anbieter agieren dabei nicht nur produktseitig aggressiv, sondern verfügen teilweise auch über erhebliche finanzielle Stärke. In einzelnen Fällen können sie bestehende deutsche Finanzierungsstrukturen oder Konsortien kurzfristig ablösen. Dadurch entsteht ein Wettbewerbsdruck, der weit über reine Produkt- und Preisfragen hinausgeht.
// Unterschiedliche Marktlogiken in Europa und China
Ein zentraler Unterschied zwischen den Märkten liegt im Umgang mit dem Automobil als Wirtschaftsgut. In Europa sind Fahrzeuge eng mit Finanzierungs- und Leasingmodellen verbunden. Das Auto ist hier nicht nur ein Mobilitätsprodukt, sondern häufig auch ein Finanzprodukt. In China hingegen entwickeln sich diese Dienstleistungen erst nach und nach.
Zugleich wird das Auto in China stärker wie ein Konsumprodukt mit kurzen Nutzungszyklen betrachtet — vergleichbar mit einem Mobiltelefon. Produktzyklen von etwa zwei Jahren sind dort keine Seltenheit. Themen wie Gebrauchtwagenmanagement, Service, Aftersales und langfristige Kundenbindung sind daher weniger stark ausgeprägt als in Europa oder den USA. Genau diese Dienstleistungen sind jedoch eine wichtige Voraussetzung, um im europäischen Markt nachhaltig erfolgreich zu sein.
Trotz der kurzen Produktzyklen zeigen chinesische Fahrzeuge zunehmend eine hohe technische Zuverlässigkeit. Lange Garantiezeiten sowie Laufleistungen von 200.000 bis 300.000 Kilometern ohne größere Probleme stärken das Vertrauen in diese Produkte zusätzlich.
// Druck auf Lieferanten und veränderte Machtverhältnisse
Für deutsche Zulieferer waren Geschäftsbeziehungen mit chinesischen OEMs in der Vergangenheit häufig herausfordernd. Ein Beispiel sind sehr lange Zahlungsziele, die teils bei bis zu 270 Tagen lagen. Inzwischen wurden diese Fristen jedoch teilweise auf etwa 60 Tage begrenzt, was die Situation für Lieferanten verbessert.
Dennoch bleiben Verhandlungen mit chinesischen OEMs anspruchsvoll. Claims und Nachverhandlungen sind oft schwierig durchzusetzen. Hinzu kommt, dass chinesische Hersteller und Zulieferer Insourcing-Entscheidungen sehr schnell umsetzen können. Diese Geschwindigkeit zeigt die hohe Flexibilität und den Pragmatismus der chinesischen Akteure, verschiebt aber zugleich die Machtverhältnisse zulasten klassischer Zulieferer.
// Überkapazitäten und Finanzierungsdruck
Eine weitere strukturelle Herausforderung besteht in den hohen Überkapazitäten bei OEMs und Zulieferern. Diese Kapazitäten werden perspektivisch abgebaut werden müssen, was den Konsolidierungsdruck in der Branche weiter erhöht.
Parallel dazu hat sich die Finanzierungssituation für Automobilzulieferer in Deutschland deutlich verschärft. Bei Banken herrscht vielfach ein Generalverdacht gegenüber Automotive-Akteuren. Selbst tragfähige Business Cases werden zunehmend kritisch bewertet, da sich viele Banken aus dem Automobilgeschäft zurückziehen. Für Unternehmen wird es daher wichtiger, alternative Finanzierungsquellen zu erschließen — etwa über internationale Konsortien oder ausländische Kapitalgeber.
// Komplexität reduzieren und Umsetzung beschleunigen
Eine weitere strukturelle Herausforderung besteht in den hohen Überkapazitäten bei OEMs und Zulieferern. Diese Kapazitäten werden perspektivisch abgebaut werden müssen, was den Konsolidierungsdruck in der Branche weiter erhöht.
Parallel dazu hat sich die Finanzierungssituation für Automobilzulieferer in Deutschland deutlich verschärft. Bei Banken herrscht vielfach ein Generalverdacht gegenüber Automotive-Akteuren. Selbst tragfähige Business Cases werden zunehmend kritisch bewertet, da sich viele Banken aus dem Automobilgeschäft zurückziehen. Für Unternehmen wird es daher wichtiger, alternative Finanzierungsquellen zu erschließen — etwa über internationale Konsortien oder ausländische Kapitalgeber.
// Künstliche Intelligenz gezielt einsetzen
Künstliche Intelligenz kann kurzfristig besonders dort Mehrwert schaffen, wo klar abgegrenzte Prozesse unterstützt werden. Im Einkauf kann KI beispielsweise helfen, Lieferantenzertifizierungen zu prüfen, nachzuhalten und effizienter zu dokumentieren. Auch Investitionen in moderne Forecasting-Systeme sind sinnvoll, um Planungssicherheit und Reaktionsfähigkeit zu erhöhen.
Gleichzeitig sollte die Erwartung an KI realistisch bleiben. In unreifen Organisationen ist häufig zunächst grundlegende Aufräumarbeit notwendig, bevor KI-Anwendungen sinnvoll eingesetzt werden können. Datenqualität, Prozessklarheit und Verantwortlichkeiten sind entscheidende Voraussetzungen.
Bei großen eigenen Datenmengen kann der Aufbau eigener KI-Lösungen sinnvoll sein, insbesondere wenn vertrauliche Unternehmensdaten geschützt werden müssen. Datenschutzanforderungen in Deutschland und Europa wirken dabei jedoch häufig bremsend. Länder wie die USA oder Großbritannien sind in der praktischen Nutzung entsprechender Technologien teilweise weiter.
// Junge Talente als Beschleuniger für Transformation
Unternehmen sollten stärker darauf setzen, Studierende und junge Talente in ihre Organisationen zu holen. Gerade im Umgang mit KI, digitalen Tools und neuen Arbeitsweisen können junge Menschen wichtige Impulse geben. Sie bringen häufig eine größere Selbstverständlichkeit im Umgang mit Technologie mit und können helfen, bestehende Strukturen agiler zu machen.
Für etablierte Zulieferer liegt darin eine Chance, interne Veränderungsprozesse zu beschleunigen und digitale Kompetenzen breiter im Unternehmen zu verankern.
// Neue Finanzierungswege und internationale Perspektiven
Angesichts der Zurückhaltung deutscher Banken müssen Zulieferer ihre Finanzierungsstrategie neu ausrichten. Internationale Kapitalgeber, Finanzkonsortien oder strategische Partnerschaften können künftig eine größere Rolle spielen. Entscheidend ist, Finanzierung nicht mehr ausschließlich national zu denken, sondern globaler und flexibler aufzustellen.
Dies gilt besonders für Unternehmen, die trotz schwieriger Marktbedingungen tragfähige Geschäftsmodelle, technologische Kompetenzen und klare Wachstumsfelder vorweisen können.
Unser Fazit
// Automotive bleibt ein relevanter Zukunftsmarkt
Trotz aller Herausforderungen bleibt die Automobilindustrie ein großer, relevanter und wirtschaftlich attraktiver Markt. Die Branche steht unter erheblichem Veränderungsdruck, doch sie ist keineswegs perspektivlos. Konsolidierung, neue Wettbewerber, Finanzierungsprobleme und technologische Umbrüche werden den Markt verändern — aber nicht beenden.
Für deutsche Automobilzulieferer kommt es jetzt darauf an, Geschwindigkeit, Pragmatismus und strategische Klarheit zu entwickeln. Wer Komplexität reduziert, Finanzierungsfragen aktiv löst, digitale Technologien sinnvoll einsetzt und sich auf wettbewerbsfähige Kernkompetenzen konzentriert, kann auch in einem konsolidierenden Markt erfolgreich bestehen.
Die besten Unternehmen werden weiterhin gutes Geld verdienen können. Voraussetzung dafür ist jedoch, den Wandel nicht nur zu analysieren, sondern ihn konsequent umzusetzen.
Ihr persönlicher Ansprechpartner für die
KEYPLAYER X CHANGE
AUTOMOTIVE LEADERSHIP 2026
Partner & Director Automotive & Mobility